Gewaltfreie Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation

„Es steht uns immer frei, entsprechend jener Zukunft zu handeln, die wir uns schaffen wollen.“

— Heinz von Foerster

Definition & Schwerpunkte

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) wurde von Marshall B. Rosenberg (1934-2015) begründet. Er war Psychologe, allerdings bemerkte er, dass er den Menschen nicht weitreichend genug helfen kann. Seine Aufgabe als Psychiater war es, die Menschen zu beurteilen, ihre Krankheiten zu benennen und Medikamente zu verschreiben. Er erkannte, dass es oft völlig ausreichte, den Menschen zuzuhören, aufrichtig und emphatisch. Aus dieser Unzufriedenheit heraus, begann er mit Trainings zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit und gründete 1984 das Center for Nonviolent Communications in Texas.

Seine Überzeugung war, dass gute Gespräche nur bei echtem empathischem Kontakt gelingen, sowohl im Sprechen als auch im Zuhören. Drei Jahrzehnte lang war er auf der ganzen Welt tätig, in Krisengebieten (Ruanda, Kroatien, Israel, Palästina) genauso wie an Schulen, Kindergärten oder in Gefängnissen.

GFK ist für Rosenberg eine Sprache den Lebens, kein Werkzeug mit dem man etwas erreichen kann, sondern eine Einstellung.

Gewalt in Kommunikation bedeutet nicht nur, dass jemand sich grob ausdrückt, andere beschimpft, lügt oder ähnliches. Gewalt in Kommunikation ist auch seufzen, die Augen zu verdrehen, jammern, klagen, etwas nicht zu sagen usw.

Die Gewaltfreie Kommunikation besteht aus vier Schritten:

  1. Beobachten: Vermische Beobachten nicht mit einer Bewertung. Beschreibe nur, was du wirklich siehst oder erlebst. Z.B. „Der xy ist ein schlechter Fußballspieler!“ Eine reine Beobachtung wäre: „XY hat in den letzten 5 Spielen kein Tor geschossen.“
  2. Gefühle: Welche Gefühle lösen meine Beobachtung in mir aus? Vielleicht bin ich eifersüchtig, weil ich selber gerne bei diesem Fussballverein spielen würde. Ein echtes Gefühl ist, „Ich bin fröhlich, traurig, verzweifelt …“.
  3. Bedürfnis: Jeder Mensch hat Bedürfnisse und jedes Bedürfnis ist gleich wichtig! Die Menschen haben Bedürfnisse nach Wertschätzung, Freundschaft, Gemeinschaft usw. Wenn wir wissen, welches Bedürfnis in uns gerade lebendig ist, dann verstehen wir auch unsere Gefühle. Vielleicht hat der Fussballspieler ein Bedürfnis nach Anerkennung.
  4. Bitte: In der GFK gibt es nur „echte“ Bitten. Der andere kann diese Bitte erfüllen oder nicht. Beides ist in Ordnung. Bitten sind klar, eindeutig, positiv und immer im Hier und Jetzt. Für den Fussballspieler wäre eine Bitte an den Trainer z. B. „Setze mich bitte mehr in den Spielen ein, damit ich Spielpraxis bekomme.“

Die GFK verbessert ihre Kommunikation entscheidend. Bei Beziehungsprobleme, schwierige Gespräche mit Vorgesetzten, Konflikte mit Kindern, egal ob es die kleinen sind oder die pubertierenden. Sehr hilfreich ist es, wenn die Kinder von klein auf daran gewöhnt sind, dann man ihnen zuhört, sie ernst nimmt. Die GFK ist die Sprache des Herzens. Leider drücken wir uns oft unklar aus. Wir meinen es gut, öffnen den Mund und heraus kommen Vorwürfe, Klagen, Beleidigungen, Forderungen, Bewertungen. Unsere Absicht ist etwas zu ändern, doch nur wenn ich ohne all dem spreche, besteht die Chance, dass unsere Bitte erfüllt wird.

Beispiel: Vorgesetzter: „Das ist ja eine Schlamperei, die Kundenmappe sieht grauenvoll aus. So werden wir keine neuen Kunden bekommen.“

oder:
„In der Kundenmappe sind Rechtschreibfehler. Ich bin total verärgert, da mir der Erfolg unseres Angebots wichtig ist. Bitte überarbeiten Sie die Mappe bis Donnerstag, so dass wir noch Zeit für Veränderungen haben, bis wir sie am Montag dem Kunden vorlegen wollen.“

Für welchen Vorgesetzten würden Sie lieber arbeiten?